| AS negativ Negativ und positiv Ein Mensch muss positiv denken, aber das ist nicht immer einfach und ganz bestimmt nicht im Taubensport. Denn man kann es drehen und wenden wie man will: Die düstersten Vorhersagen über die Zukunft des Sports scheinen leider die am meisten realistischen zu sein. Ich habe in all den Jahren die Preislisten aufbewahrt. Wenn man die von vor gut zwanzig Jahren mit denen von vor zehn Jahren vergleicht, erschreckt man, und wenn man die von vor gut zehn Jahren mit denen von heute vergleicht, fällt man um. Weil es so viel weniger Liebhaber gibt, so viel weniger Tauben und so viel weniger Geld hinter den Tauben. Es ist auch traurig feststellen zu müssen, dass in Wohngebieten, wo früher ein Taubenschlag neben dem anderen stand, kein Schlag mehr zu sehen ist, geschweige denn eine Taube. 86 Liebhaber wohnten einst im Nachbardorf Alphen. Heute kaum noch zehn. Keine erfreulichen Nachrichten, aber Wahrheiten, die man nicht gern hört, sind häufig solche, die man in erster Linie wissen muss.
Doch positiv Aber man sollte immer positiv denken. Wenn ich die Klagen über den Rückgang höre, stelle ich schon mal Vergleiche mit dem Ausland an. So gibt es in den Niederlanden noch Orte, in den bis vor kurzem vier bis elf Vereine zu finden waren. Auch in Zwaagwesteinde, Eersel, Geel und Vorselaar floriert der Sport prächtig. Obwohl es auch dort schon etwas weniger geworden sein soll, ist es für einen Taubenliebhaber noch immer ein Vergnügen, wenn er in den Niederlanden oder Belgien wohnt. Sogar verglichen mit Deutschland ist hier (noch) ein Taubenparadies. Die Zahl der Liebhaber ist in anderen Ländern dünner gesät als hier die Zahl der Vereine, ausgenommen vielleicht manche Gegenden in China. Und doch haben auch die Liebhaber in diesen Ländern Freude an ihrem Hobby.
Unterschied Was zu denken gibt, ist, dass der Taubensport nicht überall so zurückgeht. Wenn wir auch gegen Neubaugebiete und kleine Gärten wenig unternehmen können, haben wir andere Dinge sehr wohl in der Hand. Woran es vielerorts hapert, ist die "Stimmung". Man will, dass Außenstehende mehr Achtung vor unserem Hobby bekommen, aber wie kann man von anderen Achtung verlangen, wenn die Liebhaber nicht einmal für einander Achtung aufbringen? Sie können mir glauben, dass ich Leute kenne, die sich schämen, ihren Sohn oder Nachbarn die Uhr wegbringen zu lassen, weil im Vereinslokal so viel Streit, Zänkerei, Gejammer und Gerede herrscht und so viel gesoffen wird. Das übt keine Anziehungskraft aus. Ganz im Gegenteil. Aber es geht auch anders. So bin ich gebeten worden, in Ulft einen Vortrag über Tauben zu halten. Dort war man offensichtlich der Meinung, dass ich darüber etwas wüsste, aber diesen Irrtum nahm ich in Kauf. Zentral gelegen gab es zwei gepflegte und vor allem gemütliche Vereinslokale mit reichlich Parkmöglichkeiten. In dem brechend vollen Saal herrschte eine tolle Stimmung. "Der Taubensport geht hier kaum zurück", hörte ich. Das überraschte mich nicht.
Beispiel So gab es auch in Belgien einen Verein, der beinahe in den letzten Zügen lag. Bis ein neuer Vorsitzender kam, der sah, wie hier herumgemurkst wurde und aktiv wurde. Keine unnötigen Wartezeiten mehr beim Einsetzen und auch nicht beim Abschlagen und Öffnen der Uhren. Vorher wurden die Uhren das eine Mal um sieben Uhr abgeschlagen, und das andere Mal Stunden später, je nach dem wie der Uhrensteller Lust und Laune hatte. Wenn man darüber eine Bemerkung machte, wurde man im Sinne von "Ich sitze hier nicht zu meinem Vergnügen und wenn dir das nicht passt, mach' es doch selbst" angemotzt. Die Züchter schwiegen, aber sie verloren immer mehr die Lust am Taubensport. Durch den neuen Vorsitzenden wurde das alles anders. Wenn eine Uhr geöffnet war, konnte man auf einem Bildschirm die Ankunftszeiten sehen. Das erhöhte die Spannung, die Züchter blieben "hängen" und das kam dem Verein wieder zugute, weil zusätzlich konsumiert wurde und der Überschuss in die Vereinskasse floss. Was ein einziger Mann nicht bewirken kann, um Unlust in Enthusiasmus zu verwandeln. Die Zahl der Züchter, die hier einsetzen, hat sich in kurzer Zeit verdoppelt.
Vereinszeitung Was ich in unserem Sport auch vermisse, sind regelmäßige Vereinszeitschriften oder "Meisterbücher". Ich schreibe das öfter. Sie schaffen eine Verbindung und lassen die Menschen sich dazugehörig fühlen. Es darf auch ein Jahrbuch sein, Hauptsache es gibt überhaupt etwas. Hin und wieder bekomme ich so etwas zugeschickt, und ich muss sagen, es sind prächtige Exemplare darunter mit u.a. Aufzeichnungen über besondere Ereignisse und Berichten über Sieger, Meister und Ass-Tauben, die dadurch ins rechte Licht gerückt werden. Manchmal sind auch noch Fotos dabei. Heutzutage kann man solche Sachen sehr schön machen, so dass man gern darin blättert und sie auch aufbewahrt. Das Problem ist nur, dass man Leute dafür haben muss.
Preislisten Ich bin der Meinung, dass Preislisten viel über einen Vorstand aussagen. Viele Preislisten enthalten gerade das Nötigste, werden zu spät zugestellt oder laden nicht zum Lesen ein. Vor allem die schnelle Zustellung ist sehr wichtig. Es muss allerdings gesagt werden, dass in den letzten Jahren viel verbessert worden ist. Aber noch immer sind viele Preislisten zu langweilig, die Buchstaben stehen zu nah beieinander, was es unangenehm macht, sie zu lesen. Die Liebhaber sehen auch lieber, dass die Gewinne in Zahlen genannt werden als Kreuzchen oder Sterne hinter den Tauben. Der Spaß beim Gewinn von Geld liegt für viele darin, dass andere es sehen. Die ausführlichsten Preislisten, die ich kenne, sind die der Union Antwerpen. Zwar sehen sie nicht gut aus und die Buchstaben sind auch zu klein, aber das Register am Anfang ist besonders informativ. Eine Übersicht der Teilnehmer, bei der hinter jedem Namen steht, wie viel Tauben gesetzt, wie viel Preise gewonnen und welche Platzierungen erreicht wurden. Dadurch hat man eine bessere und schnellere Übersicht als durch die Preisliste selbst.
Das geht doch nicht Woran auch dringend etwas getan werden muss, ist die Einheitlichkeit von Reiseprogrammen und Spielmöglichkeiten. Ich habe schon öfter nachdrücklich auf die Ungerechtigkeit der heutigen Situation hingewiesen. Welche Bedeutung hat der Titel "Nationale Ass-Taube", wenn der eine 14 Möglichkeiten hat, an Flügen teilzunehmen und der andere nur acht? Ferner hat man sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden das Problem mit den Taubenzahlen. Zu wenig Tauben in der Konkurrenz (und dann meistens noch eine auserlesene Gesellschaft) macht ganze Völkerstämme von vornherein chancenlos. Können Sie mir glauben, dass man dort, wo ich wohne, nicht die Spur einer Chance auf eine nationale Ass-Taube hat, auch wenn man jede Woche die Schnellste des gesamten Feldes dreht? Das ist doch total verrückt. Was kann eine Taube mehr leisten, als zu gewinnen? Wenn man dann keine Chance hat, liegt irgendetwas sehr im Argen. Kein einziger Sport lässt seine Mitglieder so im Regen stehen wie der unsrige, denke ich manchmal.
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