| Menschen und Tauben 3 Ich sah John wieder einmal vor einer der letzten echten Dorfkneipen. Mit einer Hand auf der Türklinke schien er sich nicht entscheiden zu können, was er machen sollte: Reingehen oder draußen bleiben. Oder vielleicht bekam er die Tür auch einfach nicht auf.Aber es zeigte sich, dass der Laden geschlossen war und so musste John weiter nach einem Bier schmachten oder besser nach einem weiteren Bier, denn er war schon ziemlich angeheitert. Weil er wieder gewaltig schlecht gespielt hatte, denke ich. „Du bist ein Glückspilz“, warf er mir an den Kopf. Ich wusste nicht, was er meinte. Weil ich gesund war? Weil der Sohn in der Schule gut war? Das sind jedenfalls die wichtigen Dinge des Lebens, aber er zielte mit der Bemerkung auf eine meiner Tauben. Ich hätte damit einen Glückstreffer gelandet. Was nicht noch alles, könnte man da sagen, aber er hatte zu allem Überfluss auch noch Unrecht. Ich war nicht vom Glück getroffen worden. Lassen Sie es sich erzählen. Leistung. Der Wind ist der entscheidende Faktor! Vor einigen Jahren gab es hier bei uns die so genannten ZNB-Flüge, bei denen das Einzugsgebiet eine Breite von mehr als 100 Kilometern hatte. Bei Ost- oder Westwind oder schlimmer noch Südost oder Südwest gab es manchmal sehr stark verzerrte Ergebnisse. So auch auf diesem einen Flug. Wir (an der östlichen Flanke) waren durch den Westwind so begünstigt, dass die Sportfreunde aus Zeeland von vornherein nicht den Hauch einer Chance hatten. Als ich später die Preisliste studierte, sah ich jedoch zu meiner Überraschung mitten auf der ersten Seite den Namen eines Züchters aus Zeeland. Seine Taube hatte den Wind und die Masse gegen sich und hatte sich trotzdem vom Rest gelöst und ganz allein den Kampf gegen die Elemente aufgenommen. Ich fand das stark. Im Taubensport müssen wir es als Realität akzeptieren, dass Flüge mit gleichen Chancen für alle Teilnehmer eher selten sind, und ich denke, dass es in Zukunft noch schlimmer werden wird. Denn je mehr Tauben einander das Wasser reichen können, desto mehr wird es um Sekunden gehen, wobei oft der Wind der entscheidende Faktor ist. Bei Westwind kann man sagen, dass ein Spitzenflieger von der westlichen Flanke eine bessere Leistung erbracht hat als der Sieger von der östlichen Flanke. Ich fuhr nach Zeeland, um zu versuchen, der bewussten Taube habhaft zu werden. Das glückte und ich hatte damit Erfolg. Aber war ich deswegen ein Glückspilz? Andere hätten doch auch sehen können, dass diese Taube eine enorme Leistung vollbracht hatte. Haushoch überlegen? Man muss Gute haben. Ich selbst reise in vorderer Lage und manchmal passiert es, dass alle Spitzentauben einer großen Konkurrenz in meinem Dorf „fallen“. „Weil wir bessere Tauben haben“, sagen in so einem Fall manche, und ganz bestimmt dann, wenn das mehrmals innerhalb kurzer Zeit geschieht. Aber es wird nicht daran gedacht, dass das immer bei Gegenwind der Fall ist. So gewann mein Vereinskamerad Piet Koks einmal einen Bezirksflug gegen 11.000 Tauben, während er im Verein nur den vierten Preis machte. Es gibt auch Flüge, bei denen Tauben, die im Verein nicht in der Preisliste stehen, im Bezirk noch einen ziemlich frühen Preis gewinnen. Aber denken Sie nicht zu schnell an bessere Tauben in Ihrem Dorf, wenn dort stark gespielt wird. So war 2003, als wir notgedrungen mehrere Male in Südlimburg auflassen mussten, die Geschwindigkeit der ersten Tauben in Grenzorten wie Reusel und Zundert niedriger als die der letzten Preistauben in der hinteren Lage. Dass man Gute haben muss, ist wahr, aber um zu gewinnen, genügt das manchmal nicht. Um in großer Konkurrenz, provinzial oder national gewinnen zu können, muss man alle Gegebenheiten auf seiner Seite haben. Gute Tauben, die Tagesform, den Schwarm und den Wind. So werde ich den Nationalflug Orléans 1979 - es ist also sehr lange her - nicht so schnell vergessen. Bei völlig windstillem Wetter wurde alles von den Züchtern mit vorderer Lage kassiert und ich selbst gewann zum ersten Mal diesen Flug (Sektor). Obwohl es windstill war, erreichten die Tauben eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit, was bedeutet, dass sie in Frankreich aufgrund des dort herrschenden Windes hohe Geschwindigkeiten herausgeflogen haben mussten, während der Wind auf dem letzten Stück der Strecke völlig zum Erliegen gekommen war. Die Tauben, die noch weiter fliegen mussten, konnten die hohe Geschwindigkeit unmöglich durchhalten. Des Weiteren darf man nicht aus den Augen verlieren, dass morgens meistens weniger Wind weht als später am Tag. Abhängig davon, wo man wohnt, kann sich das günstig oder nachteilig auswirken. Die Elemente üben vor allem dann einen Einfluss aus, wenn man eine „extreme“ Lage hat. Und welche Lage bei normalen Bedingungen (also bei windstillem Wetter) die beste ist? Ich bin geneigt zu sagen, dass man mit einer vorderen Lage sicherlich nicht benachteiligt ist. Ich will das näher erklären. In Antwerpen hat man an jedem Wochenende die Möglichkeit, von Quiévrain, von Noyon und auf einem Mittelstreckenflug zu spielen und in der Hochsaison kommt sogar noch ein eintägiger Weitstreckenflug dazu. Wenn Auflässe verschoben werden müssen, finden alle diese Flüge manchmal an einem Tag statt. Und was kann man dann fast immer feststellen? Die Tauben von Quiévrain fliegen schneller als die von Noyon, während die Noyon-Tauben wieder höhere Geschwindigkeiten erreichen als die Mittelstreckenflieger. Es scheint eine Gesetzmäßigkeit zu sein, dass die Geschwindigkeit sinkt, wenn die Strecke, die die Tauben fliegen, länger wird. Das entspricht dem, was wir auch beim Menschen sehen. Niemand schwimmt die 800 Meter mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als die 100 Meter. Kein Läufer erreicht auf den 1.000 Metern eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit als auf 100 Metern. Kurz gesagt: Größere Entfernung bedeutet größere Anstrengung, bedeutet langsamer werden. Das gilt unter normalen Bedingungen auch für Tauben. Viele bekannte Champions wohnen in bekannten Taubenhochburgen und die muss man fast ausnahmslos in den vorderen Lagen ihrer Fluggemeinschaften suchen. Sie werden zwar gute Tauben haben, aber dass in allen diesen bekannten Taubenhochburgen auf den kürzesten Entfernungen gespielt wird, sollte einem zu denken geben. Über den Tellerrand schauen Der Vogel, den ich in Zeeland geholt habe, hatte eine bessere Leistung erbracht als der Sieger. Dass er auch noch gut züchtet, ist Glück. Dass er auf meinem Schlag gelandet ist, nicht. Ich nahm John nichts übel. Schlecht gespielt zu haben, verdirbt vielen die Laune. Sein Problem ist, dass er nicht über den Rand seines Vereinstellers hinausschaut. Doch manchmal muss man das machen und ganz bestimmt dann, wenn man auf der Suche nach guten Tauben ist. © Ad Schaerlaeckens |
