| Zuflieger Auch bei den größten Meistern gehen manchmal Tauben verloren, und sogar gute.Wie sollte man damit umgehen? Zu allererst sollte man nicht missmutig werden, denn das ist nicht gut für einen selbst und für die Umgebung schon gar nicht. Zugegeben, einfach ist das nicht. Es gibt nur wenig Gute und ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man so einen Superflieger verliert. Und wenn es dann noch mehrere zugleich sind, ist das sicher schmerzlich. Jedesmal, wenn man auf die Schläge kommt und die trostlose Leere der Zelle, in der der Gute saß, sieht, wird man von Gefühlen der Ungläubigkeit übermannt. "Das kann nicht sein, das ist nicht wahr." Gut gesehen Aber Niederlagen gehören zu jedem Sport und zu jedem Leben. Niemand wird davon verschont und solange es nur das Hobby betrifft, ist man ein gesegneter Mensch. Im Fernsehen sah ich einmal einen alten Mann. Obwohl er weit über achtzig war, schien er nicht so alt zu sein und er sah glücklich aus. Als er gefragt wurde, was sein Geheimnis wäre, sagte er: "Früher war ich anders. Da konnte ich Rückschläge nicht verarbeiten und schon morgens wollte ich, dass es Abend wäre. Bis zu diesem einen Tag, an dem ich aufstand und dachte: Was werde ich aus diesem Tag machen? Es ist wieder ein Tag meines Lebens weniger. Damals beschloss ich, aus jeder Stunde, die mir vergönnt ist, das Beste zu machen. Das ist mein Geheimnis." Manch einer könnte sich diesen alten Mann zum Vorbild nehmen. Nicht stören Doch zurück zu unseren "verlorenen Tauben". Versuchen Sie nach einem Flug, auf dem sie Tauben verloren haben, so wenig wie möglich in die Nähe der Schläge zu gehen. Das ist schwer, ich weiß es. Ich bin dann auch anders als sonst. In jeder vorüber fliegenden Amsel meine ich, meine "Gute" zu sehen, aber ich zwinge mich, nicht auf die Schläge zu gehen. Die Tauben werden dadurch verwirrt. Bei mir können Nachzügler durch eine kleine Öffnung hereinkommen, die Tauben im Schlag können nicht nach draußen. Eigentlich müsste auf jedem Schlag so eine kleine Öffnung sein, durch die Nachzügler hinein können. Es ist selbstverständlich, dass die Nistzellen von abwesenden Tauben geschlossen sein müssen. Eigentlich müssen Nistzellen, in denen keine Tauben sitzen, immer geschlossen sein. Dadurch erspart man sich später viel Ärger. Und wenn man nach Tagen zur großen Freude so einen verlorenen Sohn zurückbekommt, zwar total erschöpft, aber er ist wieder da, sperrt man ihn am besten mit Futter und Wasser ein. So verhindert man, dass er auch noch eine Tracht Prügel von seinen Schlaggenossen bezieht, denn das ist das Allerletzte, was er jetzt gebrauchen kann. Ich gebe "Spätheimkehrern" reichlich Futter und vertraue darauf, dass sie selbst instinktmäßig picken, was in ihrem miserablen Zustand das Beste für sie ist. Solche Tauben haben auch Kalzium nötig und darum muss ihnen ebenfalls Grit und Mineralpulver zur Verfügung stehen. Davon werden sie auch sofort fressen, achten Sie einmal darauf. Wissenschaft Zu diesem Thema sagt Dr. L. Devriese, Fakultät Geflügelpathologie von der R.U.G (das steht für Reichsuniversität Gent): "Bei Vögeln, die geschwächt sind, muss man nach der Kalziumversorgung fragen. Die häufigsten und schwerwiegendsten Fütterungsfehler liegen genau auf diesem Gebiet. Bei verschiedenen Vogelarten, die viel Eier legen und auf niedrigem Kalziumgehalt gehalten werden, können gleichartige Erscheinungen auftreten. Sie können nach dem Legen von mehreren Eiern bis zu 40 % des Knochenkalziums verlieren. Das beste Beifutter für Körnerfresser besteht aus den Mineralien, die für Tauben im Handel sind, aber auch andere Kalziumquellen (Austernschalen) können gute Dienste leisten." Er weist auch darauf hin, dass geschwächte Vögel, die zu Auffangstellen gebracht werden, sich schneller erholen, wenn sie Kalzium bekommen. Weil geschwächte Tauben Mineralmischungen gierig fressen, habe ich es nicht gern, wenn normal gehaltene Tauben gierig davon picken. Das ist ein Anzeichen für irgendetwas. Nicht nur Nachzügler Ich erlebte Jahre, in denen meine Jungtauben im März/April in eine Art Krise gerieten. Sie waren nicht krank, aber sie gediehen nicht richtig; der Kot war zu weich, sie fraßen wenig, tranken viel und saßen aufgeplustert herum. Und natürlich flogen sie nicht. Fast immer überstanden sie die Krise ohne Medikamente, aber mir fiel auf, dass sie viel Mineralpulver und Pickstein fraßen. Etwas Ähnliches erlebt man manchmal bei Zuchttauben. Sogar Mineralpulver und Pickstein scheinen ihnen nicht zu genügen. Sie picken einem an den Hosenbeinen oder einfach an den gekalkten Wänden und wenn man sie rauslässt, ist das Erste, was sie machen, den mit Sorgfalt gepflanzten Pflänzchen im Garten zu Leibe zu rücken. Je gesünder die Tauben sind, desto weniger Bedarf haben sie an Pickstein, Pflanzen, Mineralpulver usw. Andere Hilfsmittel Ob man Tauben, die Tage später erschöpft zurückkommen, noch weitere Hilfe anbieten kann? Forcieren kann man nichts. Zur Sicherheit kann man ihnen eine Tablette gegen Trichomonaden eingeben und/oder eine Kur gegen Kokzidien machen. Auch Vitamine können nichts schaden. Übrigens dürfen Kokzidien kein Problem sein, wenn die Tauben auf einem guten Schlag sitzen. Dieses Übel schlägt zu, wenn sie geschwächt sind oder unter einer anderen Krankheit zu leiden haben. Tierarzt M. aus T., selbst ein sehr erfolgreicher Taubenzüchter: "Ich untersuche manchmal den Kot, weil er eine Art Gradmesser für die Form ist. Je weniger Kokzidien, desto besser." Weil er sehr gut spielt, darf man davon ausgehen, dass er weiß, worüber er spricht. Wieder mitgeben Eine weitere Frage, die sich ergibt, ist die, wann Tauben, die lange weg gewesen sind, wieder bereit sind, um eingesetzt zu werden. Häufig wird das zu früh gemacht. Es gibt zahlreiche Beispiele von Liebhabern, die froh waren, eine verlorene Tauben zurückbekommen zu haben und sie dann später endgültig verspielten. Der Grund ist klar. Die Taube war nicht wiederhergestellt und der Mann hatte das nicht gesehen, denn manchmal scheinen sich Tauben erholt zu haben, während das noch nicht der Fall ist. Es ist immer richtig, auf das Verhalten zu achten, wenn man sie frei lässt. Gehen die Spätheimkehrer als Letzte nach draußen oder kommen sie als Erste zurück, sind sie noch nicht in Ordnung. Aber hier sind noch weitere Hinweise. Andere Hinweise 1. Solange die Farbe des Fleisches nicht in Ordnung ist, hat sich die Taube nicht völlig erholt. 2. Eine Taube, die ihr Gewicht nicht wieder erreicht hat, ist ebenso wenig die Alte. Es kann sogar sein, dass sie nie wieder "voll" wird, also nie wieder in Ordnung kommt. "Ausgebrannt" sagen die Liebhaber. Solche Tauben kann man als Reisetauben abschreiben. 3. Ich selbst werde eine Taube, die längere Zeit von zu Hause weg war, niemals sofort für einen Flug von etwa 400 km einsetzen. Solch eine Taube bekommt vorher mehrere kürzere Flüge. Das ist gut für ihr Selbstvertrauen und zugleich kann man sehen, wie sie sich verhält, ob sie gut und in welcher Verfassung sie nach Hause kommt. Tauben durch eigene Schuld zu verlieren, kommt öfter vor, als man denkt. Das ist schade. "Die Dinge zu sehen" ist in unserem Sport ein Schlüssel zum Erfolg, die Dinge nicht zu sehen die Ursache für Misserfolge. © Ad Schaerlaeckens |
